Boxpressed ist gut oder?
- Don Maduro

- 25. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Eine Überschrift die ein wenig provokativ daherkommt. Bewusst gewählt, aber auch der Wahrheit entsprechend? Das möchte ich heute mit euch angehen und wähle deshalb die

Gleich zu Beginn fällt ihre Form auf. Eine wunderschöne boxpressed Zigarre im Mantel einer double Torro! Eine Augenweide. Mich sprechen ja verspielte Banderolen an, aber auch diese muss passen. Für mich funktioniert diese und das ölig durchmarmorierte Deckblatt ergänzt die Optik perfekt! Der Geruch, der einem in die Nase beim Öffnen der Cellophanhülle entgegenkommt, ist gepaart mit Stall und Schokolade. Die Kombination ist auch eher überraschend als alltäglich. Nach perfektem Anschnitt wird das Feuer ohne viel schnick schnack angenommen und brennt lichterloh. Die ersten Züge entfalten holzige Aromen. Mal keine Schärfe. Sehr schön. Was aber nach den ersten Zügen auffällt ist der bereits eintretende Schiefbrand. Oh je, hoffentlich ist das kein schlechtes Omen!
Geschmacklich legt sie schön mild los, was zu gefallen weiß. Was gemeinsam mit dem Schiefbrand auffällt ist die bröselige Asche. Diese öffnet sich wie eine Blume. Auch nicht wirklich qualitativ gut. Das erste Drittel verfliegt fast schon Formel 1-mäßig. Scheint sehr leicht gerollt zu sein. Das änderte sich allerdings ab dem zweiten Drittel. Langsam kristallisiert sich eine leichte Bitterkeit heraus, gepaart mit herben Noten und ganz weichem Leder. Nach der Hälfte reguliert sich der Schiefbrand. Doch die Freude währt nur allzu kurz. Im letzten Drittel ist dieser erneut da. Schade schade...
Mehrmals war also Korrektur angesagt. Spricht nicht für sie, leider, denn geschmacklich war sie bis hierhin definitiv eine tolle Laubrolle. Mit dem letzten Drittel kommt auch die Schärfe hinzu, was allerdings durchaus schlimmer wiegt, ist das Abblättern des Deckblatts. Siehe Foto unten. Ein Qualitätsmerkmal ist das eher nicht... Auch hier schade drum. Mit diesen doch eher negativen Eigenschaften kommt nun auch jede Menge Stärke dazu. Das kenne ich von Alec Bradley Zigarren nur zu gut und habe sie deshalb auch gerne mal gemieden. Diese war bis dahin aber wirklich top - viele verschiedene Aromen. Der Rauch ist optimal und der Zug ist nun auch sehr gut im Vergleich zum Anfang. Einen dezenter Schuss Nuss kommt nochmals ins Spiel. Kurz vor Ende des 105 minütigen Smokes haut mir nochmals die typische Stärke von Alec Bradley den Stick um die Ohren. Wobei hier auch festzuhalten ist, dass sie in der ersten Hälfte einen leichten Zug hatte und weiche Noten von sich gab, während die zweite Hälfte einen nahezu perfekten Zug mit Alec Bradley typischer Stärke hatte. Zwei verschiedene Halbzeiten und trotzdem trägt sie den Sieg mit sich? Hmm...
Langt es, um in die Top 20 zu landen? Ja, das tut es. Allerdings verhindert ihr permanenter Schiefbrand und die blumenstraußartige Asche eine deutlich höhere Platzierung. Wie gesagt, geschmacklich genau so wie es sein soll. Ein tolles Entschleunigungserlebnis trotz Arbeit an ihr. Zum Preis von unter 10 €, bei einer Länge von 15,24 cm und einer boxpressed Dicke von 2,46 cm ist das Preis-Leistungs-Verhältnis absolutes High-End! An der Stelle möchte ich auch erwähnen, dass mich die Marke heute tatsächlich überrascht hat. Die Stärke zum Schluss war heftig, aber dafür habe ich noch ein paar im Humidor, die nachreifen können und mit Sicherheit auch werden.
Eine Empfehlung? Natürlich, denn für alle Top 20 Zigarren gibt es eine Empfehlung! Holt sie euch und genießt es. Eventuell war der Schiefbrand ein Montagsprodukt und ist bei der nächsten erst gar nicht der Fall. Dann verdient sie sich nochmals eine höhere Platzierung im Ranking!









