Zu süß?
- Don Maduro

- 16. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Ich habe mich mal wieder getraut einen neuen Begleiter zu probieren. Lange beobachtete er mich von der Bar herab. Doch nun habe ich den Entschluss gefasst, auch diesem Getränk eine Chance als Begleiter zu geben...
Dem Avril Amaretto Québécois.

Der kanadische Amaretto besticht durch seine tolle Aufmachung und erinnert an die kanadischen Wälder im Sommer. Den Korken einmal gezogen, entfalten sich die typischen Mandel- und Marzipanaromen, die man auch sonst kennt. Darüber hinaus gesellen sich schöne unübliche nussige Nuancen, die sich geruchlich abheben. Das "Nosing" beindruckt bereits. Der Geschmack hinkt indessen in nichts nach. Ein gut gelungener Amaretto mit einem Hauch Nuss - zusätzlich zur Mandel. Auch ist er, zumindest hier in Deutschland, keine Massenware. Diesen Amaretto bekommt man nicht an jeder Ecke. Macht ihn das besser? Nein. Macht ihn das speziell? Oh ja. Seltene Spirituosen und solche die sich so schimpfen, beeindrucken unter anderem auch mit ihrer "nicht Verfügbarkeit"!
Kann der "spezielle" Avril auch als Begleiter punkten? Das überprüfen wir jetzt. Durch die typische Amaretto Süße ist er schon mal sehr dominant und sollte daher mit Vorsicht genossen werden. Ein Glas Wasser zum neutralisieren sollte unbedingt ebenfalls bereit stehen. Sonst wird es definitiv klebrig süß und von vorne herein schon nichts mit der Begleitung. Der Hauptakteur ist heute erneut eine "Shorty". Welche genau erfahrt ihr im nächsten Beitrag. Doch kann der Avril begleiten oder ist er einfach zu aufdringlich für alles und jeden?
Nach den ersten Zügen an meiner gewählten Laubrolle, traue ich mich einen Schluck zu nehmen und die Kombi ist, sagen wir mal, interessant. Die extreme Süße vernichtet quasi die etwas bitteren Tabakstoffe. Und nicht im Sinne einer Pistole, sondern einer Schrotflinte. Sie setzt sich einfach brachial über die Geschmacksknospen und lässt kaum Spielraum für Aromen der Zigarre zu. Dann muss es halt über Umwege gehen. Ein Schluck Avril, ein Schluck Wasser, ein Zug Shorty und das ganze wirkt etwas dezenter und bekömmlicher. Immer noch kein Prädikat besonders gut, aber immerhin werden jetzt die Zigarrenaromen nicht gänzlich überlagert. Ein Gewinn möchte man meinen. Doch ist das der Sinn eines Begleiters? Wohl eher nicht. Denn auch der Begleiter soll nicht Arbeit machen, sondern beim Entschleunigen helfen. Das ist in dieser Kombination leider nicht der Fall.
Als Begleiter zu Tiramisu oder anderen Schokotörtchen kann er mit Sicherheit die Geschmäcker potenzieren. Beim Rauchen ist er leider fehl am Platz und diktiert zu offensiv den Takt. Schade drum, aber auch deshalb thronte er solange auf der Bar und wurde nicht für ein Pairing herangezogen. Es sollte sich als die richtige Entscheidung darstellen. Denn das erhoffte Zusammenspiel blieb aus.
Eine Kaufempfehlung gibt es. Was es nicht gibt, ist eine Empfehlung für einen Begleiterstatus. Diesen konnte sich der Amaretto nicht verdienen. Somit ist die Überschrift auch zugleich das Fazit: zu süß!



